Bereich: Freies Arbeiten      Seite zuletzt bearbeitet: 05.02.04     Home

Bildgeschichte 2

RAIMUND LEHMANN, ERNST WAGNER

Die Freude am Erzählen und an ersten Ergebnissen mit Malprogrammen kann genutzt werden, um bereits Grundschulkinder zu interessanten grafischen Ergebnissen zu führen. Dabei entwickelt sich aus der Spannung zwischen den krakeligen Linien einerseits (hervorgerufen durch die nur ungelenk mögliche Führung der Maus) und den perfekten Geraden mit ihren geometrischen Pixeltreppen andererseits (Resultate der entsprechenden Funktionen im Malprogramm) eine ganz eigene, spezifisch digitale Bildsprache. Diese kann bei der Auseinandersetzung mit verschiedenen Bildsprachen (z.B. der von Cy Twombly) auch für die Sekundarstufe II von großem Interesse sein. Zu dieser "Computerästhetik" gehören etwa auch die klaren, homogenen Farbfelder, die am Monitor in heftigen Kontrasten leuchten.

Um den Computer herum lassen sich vielerlei Geschichten erfinden, die zahlreiche Hoffnungen und vor allem auch Ängste der Kinder artikulieren. Passt das Herstellungsmedium Computer in diesem Sinne auch noch mit dem Inhalt der Geschichte zusammen, führt dies zu in sich schlüssigen Arbeiten, wie dies bei "Dornröschen - digital", einem von einer 6. Klasse neu geschriebenen und gemalten Märchen, der Fall ist.

Dornröschen - digital

[...] Da wollte die Königstochter natürlich gegen das alte Mütterchen antreten und sie von dem High-Score vertreiben. Also nahm das Mädchen den Joystick und wollte auch spielen. Kaum aber hatte sie ihn angerührt, so ging der Zauberspruch in Erfüllung, die Maus sprang empor und biß sie in den Finger. [...]

[...] Und all die kleinen Bits und Bytes auf der Festplatte schliefen mit ihnen. Rings um das Schloß aber begann eine Heckeaus Computerschrott zu wachsen, die jedes Jahr höher ward und endlich das ganze Schloß umzog und darüber hinaus wuchs, dass gar nichts mehr davon zu sehen war, selbst nicht die Windowsfahne auf dem Dach. [...]

[...] Und da wurde die Hochzeit des Königssohnes mit dem Dornröschen in aller Pracht gefeiert, und sie lebten vergnügt, bis jemand den Stecker zog.